Persönliche Anmerkungen zu nunmehr fast 10 Jahren Hockey in einem Schulsportverein

An dieser Stelle werden nach und nach, in ungeordneter Reihenfolge, Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Projekt SchulSportClub erscheinen, so wie sie für mich zum jeweiligen Termin von Bedeutung sind. 

Diese Äußerungen sind subjektiv, geben meine persönlichen Einschätzungen wieder, stellen keinen Anspruch auf Gemeingültigkeit. Sie sollen denen einen Hinweis oder Leitfaden geben, die sich mit ähnlichen Engagements  versuchen wollen. Nicht jede Erfahrung muss unbedingt von jedem selbst gemacht werden.

Klaus-Peter Nolte

Ich weiß: Teilweise sehr viel Text

Informationsstand: Oktober 2004

Die Entstehung - eine Idee wird Realität

Ein Schulsportverein an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen!?! In dem Schuljahr 94/95 wurde spruchreif, was sich schon viel früher, im Herbst des Jahres 1993 angebahnt hatte.

Ausgangspunkt war der Bereich der Schüler-Sport-Arbeitsgemeinschaften an unserer Schule. Seit 1987 gab es dabei schon das Angebot für die Schüler, die Sportart Hockey zu erlernen und zu betreiben. Über die Jahre hinweg haben wir fleißig trainiert und dabei mit mehr oder weniger Erfolg an einem Schulturnier teilgenommen. An einem pro Schuljahr, mehr wird leider im rein schulischen Bereich nicht unterstützt.

Im Herbst 93 tauchte dann der Wunsch der Aktiven auf, sich häufiger mit anderen messen zu können. Folgerichtig blieb nur die Idee, sich einem Verein anzuschließen. Da in Lünen in keinem Verein Hockey gespielt wird, machten wir allen Vereinen der Stadt das Angebot, uns als eine neue Abteilung anzuschließen.

Das Ergebnis der Anfragen war niederschmetternd. Es bestand keinerlei Interesse an uns, wir bekamen den Rat, wenn wir denn Sport treiben wollten, könnten wir ja Volley-, Hand- oder Fußball spielen. Und dafür gäbe es in den bestehenden Vereinen genügend Möglichkeiten. Einzige Ausnahme war der VfB Lünen, mit dessen Vertretern wir zu einem Gespräch kommen konnten. Aber auch hier gab es für uns Neulinge im Vereinswesen kaum Unterstützung.

Das war es dann erst einmal mit unserem Vorhaben. Allerdings bestand nun ab Januar 1994 für die interessierten Schüler unserer Schule die Möglichkeit, jeweils an den Samstagen von 10.00 bis 12.00 Uhr in der Rundturnhalle zu trainieren und zu spielen. Ein kleines Trostpflaster, das aber die weitere Entwicklung erst möglich machte.

Zu unserem Erstaunen war es dort möglich, dass Schüler aus den Jahrgängen 5 bis 11 dort gemeinsam Hockey spielten. Große und kleine, stärkere und schwächere Spieler hatten dabei so viel Spaß zusammen, dass nicht nur alle zu Beginn des Schuljahres 94/95 dabei blieben, wir sogar langsam immer mehr wurden. Damit war klar, dass eine Lösung unserer Probleme nur durch die Gründung eines Schulsportvereins möglich war.

Das bedeutete aber auch, dass wir uns weiterhin als einen Teil unserer Schule verstehen würden, der sich allerdings zusätzlich nach außen öffnet. Wichtige Errungenschaften des Schulsports könnten so auch weiterhin für uns Geltung haben, so das Prinzip, dass immer alle Schüler, die zum Training kommen, auch bei den Wettkämpfen zum Zuge kommen. Es werden nicht nur die jeweils besten eingesetzt, sondern alle Spieler. Das ist gerade wichtig für die Kinder, die in anderen Vereinen der Auslese zu Opfer gefallen waren oder dort gefallen wären. Wir haben als Schulsportler keinen Erfolgszwang. Zum anderen würden wir mit Mannschaften an den Vereinswettkämpfen teilnehmen können. Und das war ja gerade unser Ziel. Nun begann eine harte Arbeitsphase. Eine Trainingszeit und einen Großteil der Ausrüstung hatten wir, auch einen Trainer und Spieler für zwei Mannschaften. Aber alles andere stand in den Sternen. So suchten wir einen Kontakt zum Westdeutschen Hockey Bund, was der Betreuer der Arbeitsgemeinschaften in die Hand nehmen musste. Den weitaus härtesten Job hatten aber die Kinder, die nun ihre Eltern "bearbeiten" mussten, damit sich Kandidaten für den Vorstand finden würden.

Ein halbes Schuljahr ging darüber ins Land. Dann konnte im Januar 95 zu einer Gründungsversammlung eingeladen werden. Es passierte - nichts. Unsicherheit allenthalben, was so ein Verein an Verpflichtungen mit sich bringt, was organisatorisch so alles gedeichselt werden muss. Aufgeben wollten wir allerdings noch nicht. Es folgten dann in größeren Abständen weitere Versuche, bis wir letztendlich eine Satzung verabschieden und einen Vorstand wählen konnten. Endlich am Ziel? Noch lange nicht! Über einen Notar ging die Satzung ans Amtsgericht - und musste geändert werden. Das alles dauerte!

Nachdem wir im Schuljahr 94/95 die Vorbereitungen zur Gründung unseres Vereines abgeschlossen hatten, war es dann im November 1995 so weit: Unser Verein wurde offiziell gegründet und bei den entsprechenden Fachverbänden angemeldet. Damit besaß unsere Schule einen eigenen Sportverein und die Stadt Lünen die erste Hockey-Abteilung.

Mehr als 20 Kinder unserer Schule haben von Anfang an mitgemacht. Erfreulicherweise wurden wir auch von einigen Lehrern unterstützt, die sich bereit erklärten, passive Mitglieder zu werden. Unsere Rettung, denn in Deutschland muss jeder Verein mindestens 7 erwachsene Mitglieder haben. Als dann die Aufnahmebestätigungen des Landessportbundes sowie des Westdeutschen Hockey Verbandes vorlagen, konnten wir mit zwei Mannschaften, einer Knaben A und einer Jugend B, den Wettkampfbetrieb in der Hallensaison 95/96 aufnehmen.

Überlebenskampf in Lünen - wer will schon einen Hockeyverein?
Der tägliche Kleinkram - Verwaltungs- und Organisationstätigkeiten

Um es gleich vorweg zu sagen: Als Soloprojekt ist so ein Schulsportverein unmöglich.

Wir hatten das Glück, dass zwei Väter, durchaus schon erfahren in der Vereinsarbeit, sich sehr stark engagiert haben. Während sich Manfred Morschel von Anfang an als Kassenwart um juristische, steuerliche und finanzielle Fallstricke kümmert, hält Michael Bohling seit der Gründung den Kontakt zur Stadtverwaltung, organisiert Freizeiten, arbeitet im Stadtsportbund mit.

Zudem begleiteten beide immer wieder Mannschaften als Fahrer, eine für uns überlebenswichtige Tätigkeit, da uns die übergroße Mehrzahl der Eltern unserer Spieler und Spielerinnen immer wieder in diesem Bereich im Regen stehen ließ.

Was noch bleibt frisst ebenfalls Zeit ohne Ende:

  • das Einsammeln der Mitgliedsbeiträge bei den Barzahlern
  • Nachfragen bei den Mitgliedern, die die Beiträge zurückbuchen ließen
  • Beantragen von Spielerausweisen
  • Regeln der Aus- und Beitritte; besonders die "schleichenden" Austritte mit Außenständen bei den Beiträgen sind sehr unerfreulich
  • Organisieren der Schiedsrichterausbildung
  • Planung der Wettkampfsaison
  • Absprache mit jedem Einzelnen, ob er zum Wettkampf zur Verfügung steht
  • Planung der Materialbeschaffung
  • Wartung der Vereinsmaterialien
  • Gestaltung und Aktualisierung der Homepage
  • Kontakt mit dem Verband (Gebühren, Bezirkstage, Statistik, usw.)
  • Einladungen zu Turnieren
  • Waschen der Vereinstrikots

Die Aufstellung erfolgt ohne Gewähr der Vollständigkeit!

Die Arbeit mit den Jugendlichen

 

Stellenwert in der Schule

Ein etwas heikles Thema. Eine große Bandbreite zu Anfang, von "was soll denn das schon wieder" über reines Nichtwahrnehmen bis hin zur Unterstützung als passives Mitglied - schließlich müssen in einem deutschen Verein mindestens 7 Mitglieder erwachsen sein.

Von Anfang an spielten wir Hockey-Leute ein Schattendasein, aus dem wir uns nur sehr langsam und allmählich etwas befreien konnten. Wir besaßen zwar das Wohlwollen der Schulleitung, allerdings ging das nicht so weit, dass man sich intensiv mit der Stadtverwaltung auseinander gesetzt hätte, um uns akzeptable Trainingsverhältnisse zu verschaffen.

Massive Unterstützung in finanzieller Hinsicht erfuhren und erfahren wir durch den Förderverein der Schule, ohne den der SSC heute nicht das wäre, zudem er nun geworden ist.

Inzwischen sind die schulinternen Widerstände an unserer Schule verschwunden, aber immer noch weiß die Mehrheit an der GSG nichts über die Existenz des schuleigenen Vereins.

Nach der Schule - was dann

Nach sechs Jahren Herrenhockey muss der gesellschaftlichen Entwicklung Tribut gezollt werden.

Bedingt durch unsere begrenzten Möglichkeiten mussten wir uns schon früh auf die Hallensaison beschränken. Das anfängliche Engagement für die Kleinfeldrunde erlahmte nach einigen Jahren, ohne Möglichkeiten zum regelmäßigen Training resignierten viele. Wenige fanden im Sommer den Weg nach Datteln, Dortmund oder Münster.

In der Halle gelang uns in dieser Zeit zweimal der Aufstieg, von der 4. in die 2. Verbandsliga.

Doch die Bedingungen im Umfeld haben sich für uns stark geändert. Es gibt in Lünen kaum Ausbildungsplätze, geschweige denn Arbeitsplätze für die Jugendlichen, die die Schulen verlassen. Die fast einzige Chance ist es, aus Lünen wegzugehen. So sind einige der Herrenspieler zur Zeit in Münster, Bielefeld oder Kassel beschäftigt.

Die Spieler, die in Lünen Arbeit gefunden haben, gehen in vielen Fällen auch samstags ihrem Beruf nach, haben in der einzigen Trainingszeit zwischen 11.00 und 13.00 Uhr vormittags keine Gelegenheit, daran teilzunehmen. Dies gilt vermehrt auch für die Beschäftigten im handwerklichen Bereich.

Diejenigen ohne eine geregelte Arbeit jobben, sehr oft auch am Wochenende. Konsequenz: Nur sehr unregelmäßig können sie am Training teilnehmen.

Sehr bitter für mich. Nachdem ich im Ralf seit einigen Jahren eine große Stütze habe, da er das Herrenteam betreut, sich für die Schiedsrichterleistungen verantwortlich zeichnet und mir immer wieder bei den Jugendmannschaften hilft, ist nun weit und breit keine Hilfe mehr in Sicht, da Ralf beruflich in Kassel und Frankfurt engagiert ist. 

Fatal: Ohne Erwachsenenteams werde ich mit Sicherheit keinen finden, der bereit ist, ehrenamtlich mitzuarbeiten, so dass die Last auf mehrere Schultern verteilt werden könnte.

Die Zukunft unseres Vereins ist also im Moment ungewisser denn je - auch wenn mit dem Projekt Hockeyklasse ein ganz neuer Bereich erschlossen werden wird.

 

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