Das Bindeglied zwischen Schulsport und Vereinssport: Der Schulsportverein

In einem Schulsportverein wird versucht, einen dritten Weg im Sport zu finden, eine Art Synthese vom Sportunterricht in der Schule, moderner Prägung, und dem Vereinssport.

Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei die Charakterbildung junger Menschen, die behutsam an den wichtigsten Aspekt unserer Gesellschaft, dem Leistungsaspekt, heran geführt werden sollen.

Im Sportunterricht

Im Sportunterricht steht die Selbsterfahrung im Vordergrund. Kinder und Jugendliche lernen verschiedenste Bewegungsabläufe kennen, erfahren ihren Körper in den unterschiedlichsten Situationen. Immer wieder wird die Bewegungserfahrung erweitert, Schüler und Schülerinnen lernen sie ihren Körper immer besser kennen.

Neben der Erweiterung der eigenen motorischen Geschicklichkeit steht auch der soziale Aspekt im Vordergrund. Alle Lernerfahrungen werden in der Gruppe gemacht, wobei der Umgang miteinander in dieser Gemeinschaft einen entscheidenden Wert darstellt. Misserfolgserlebnisse können aufgefangen oder verstärkt werden. Die Angst, sich zu blamieren, andere in einer Mannschaft zu enttäuschen, kann eigenes Erfahren und Erleben blockieren.

Im Verein

Der Vereinssport bietet die Möglichkeit, sich in einer Sportart seinen eigenen Grenzen zu stellen, an seine Leistungsgrenze auch körperlich heranzugehen. Die Möglichkeit, seine eigenen Grenzen zu erweitern ist eine wichtige Lebenserfahrung. Allerdings führt die absolute Priorität der Leistung dazu, dass selektiert wird, Schwächere aus Mannschaften oder Trainingsgruppen ausgesondert werden.

Im Schulsportverein

Die Zusammenführung der beiden angesprochenen Aspekte ist die Aufgabe des Schulsportvereins. Kinder lernen im Unterricht Sportarten kennen und können sich hier nun intensiver mit einer speziellen Disziplin auseinandersetzen, ohne dass sie sofort einen fremdbestimmten Druck aushalten müssen. Hier ist ein Platz für unterschiedlich talentierte junge Menschen, miteinander zu versuchen, ihre Leistungspotentiale abzurufen und zu erweitern. Kinder und Jugendliche unterschiedlicher Leistungsstände, unterschiedlichen Alters und Geschlechts treiben nicht nur in ihren Mannschaftsgruppen sondern auch gemeinsam Sport.

Hier können demnach auch gerade Kinder mit geringem Selbstvertrauen eigene Ich-Stärke kennenlernen und aufbauen. Sie sollen in die Lage gebracht werden, diese Stärke zur besseren Bewältigung ihres Lebens, gerade auch in der Schule, einzusetzen. Erfolge geben Kraft, die in allen Lebensbereichen eingesetzt werden kann.

Die Teilnehmer kennen sich aus einer anderen Gruppe, im Normalfall einer Klasse, eines Jahrgangs, einer Schule. Hier können übergreifende Strukturen aufgebaut werden, gerade für eine große Schule ein wichtiger Aspekt. Ältere können hier für Jüngere eine Vorbildfunktion übernehmen, bereits abgegangene Schüler haben intensiven Kontakt zu den ‚neuen‘, so dass sie auf der sportlichen Ebene mit ihrer alten Ausbildungsstätte verbunden bleiben. Dies ergibt eine Möglichkeit zum Dialog, auch über die Verhältnisse, auf die die Schüler nach ihrer Schulzeit treffen.

Der Verein bleibt ein Teil der Schulgemeinschaft, und muss auch hier eingebunden sein. Er ist aber auch gleichzeitig eine Öffnung der Schule nach außen und kann so zur Verankerung in der Kommune beitragen.

Dies alles hat eine Reihe von fundamentalen Konsequenzen:

  • Es gibt keine ‚nicht brauchbaren‘ Kinder und Jugendliche.
  • Der Erfolg um jeden Preis schließt sich aus, der Erfolg dominiert nicht alle anderen Aspekte. Bei den Wettkämpfen spielen die Kinder, die am Training teilnehmen, eine leistungsorientierte Differenzierung kann nicht stattfinden.
  • Die individuelle Leistungssteigerung wird durch Rücksichtnahme auf Schwächere "behindert".
  • Freizeit- und mehr leistungsbezogene Jugendliche müssen aufeinander eingehen.
  • Entscheidet sich ein Vereinsmitglied für die ‚reine‘ Leistung, muss er den Verein wechseln. Dann ist er in einem herkömmlichen Sportverein gut aufgehoben.
  • Der Schulsportverein ist eine ideale Ergänzung für Kinder, die sich bereits als Schwerpunkt für eine andere Sportart entschieden haben, und hier ein Ergänzungsangebot finden, das einer zu frühen Spezialisierung mit der Gefahr einer einseitigen Belastung entgegenwirkt.

Auf der anderen Seite ist der Schulsportverein ein ‚ganz normaler‘ Sportverein nach bürgerlichem Recht, mit einer Satzung, einem Vorstand, mit zumindest einer Verbandszugehörigkeit. Dazu gehören auch Mitgliedsbeiträge, um die laufenden Kosten abzudecken.

 

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